IAA: BN schlägt Konzept für das Stadtzentrum vor

Nicht nur der Münchner BUND Naturschutz (BN) warnt davor, dass die Verkehrswende in München mit dem Auftritt der IAA im kommenden Jahr ins Stocken geraten könnte. Ein breites Bündnis aus der Münchner Umwelt-, Natur- und Klimaschutzszene hat sich mit dem BN deswegen in einem offenen Brief an die Stadtspitze gewandt. Nun legt der BN mit LIVING CITY LAB ein Konzept mit Empfehlungen vor, wie die Stadt mit dem Auftritt der IAA im öffentlichen Raum umgehen und eine passende Antwort auf die Ansprüche der Automobilkonzerne geben könnte.

„Mit LIVING CITY LAB werden Visionen zu Wirklichkeit. Wir bündeln die bestehenden Stadtratsbeschlüsse in einem gemeinsamen Auftritt. Aus vielen punktuellen Maßnahmen ist ein Konzept geworden, das die angestrebte Verkehrswende schon jetzt erlebbar macht. Wir zeigen welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn Autos nicht mehr optisch und faktisch das Gesicht der Stadt dominieren. Auch in unserem Konzept kommen noch Autos vor, doch ihre Rolle wird völlig anders als heute definiert. Wir rücken den Mensch in den Mittelpunkt. Für das Lebensgefühl wird das unbe­schreib­lich“, erläutert Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BN in München.

Ein wichtiger Grundsatz des Konzeptes war es, kein in die Fläche gedachtes Straßenfest zu veranstalten, sondern Verkehrsflächen in ihrer Funktion zu belassen. Notwendiger motorisierter Verkehr wie beispielsweise Lieferverkehr bleibt damit weiterhin möglich. Das BN-Konzept teilt aber den Verkehrsraum temporär neu auf und zwar auf Grundlage bestehender Stadtratsbeschlüsse, aktueller Planungen oder laufender Diskussionen in den Stadtvierteln. Der Schwerpunkt liegt darauf, den Umweltverbund aus öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad- und Fußverkehr zu fördern. Wer nicht zwingend mit einem PKW im Stadtzentrum unterwegs sein muss, sollte alternative Mobilitätsangebote nutzen können, um zum Wechsel motiviert zu werden. Das Stadtzentrum wird auf diese Weise zum Umsetzungslabor für die Politik des Stadtrats, mit dem Ziel, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und gleichzeitig die Mobilität der Menschen zu erhalten.

Wir schlagen der Stadt vor, auf der Grundlage dieses Konzeptes die Verkehrswende hin zu wirklich nachhaltiger Mobilität mit Leben zu füllen. Betroffene sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Folglich muss die Verkehrswende auch von und mit ihnen diskutiert werden. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie ist nicht der richtige Partner, um nachhaltige Mobilität jenseits des Autos weiterzudenken. Wir brauchen eine Stärkung des Umweltverbundes, auch mit Blick auf den Klima- und Ressourcenschutz. Anforderungen an nachhaltige Mobilitätsformen zu definieren ist ureigenste Aufgabe der Stadt München. Sie muss das Thema selbst in die Hand nehmen!“, fordert Christian Hierneis, Vorsitzender des BN in München.

Der Zeitraum von LIVING CITY LAB bezieht sich auf den Auftritt der IAA, daher ist die Projektdauer kurz. Aus Sicht des BN ist ein eigenständiger und engagierter Auftritt der Stadt während der IAA unerlässlich. Da jede Verkehrswende zu Änderungen im Mobilitätsverhalten führen wird, müssen die Menschen frühzeitig eingebunden werden. Nicht jeder Einzelne wird sich bei einer Verkehrswende als Gewinner fühlen, doch die Gesellschaft insgesamt würde von weniger Autos in der Stadt enorm profitieren. Diesen Gewinn an Lebensqualität macht LIVING CITY LAB erlebbar.