Foto: Wolfgang Willner

13.04.2018 – Igel sind gern gesehene Bewohner von Gärten und Parks. Doch wie können Gärten gestaltet werden, damit die freundlichen Gesellen auch bleiben oder noch zuziehen? Der BUND Naturschutz in München gibt dazu Tipps und Hintergrundinformationen.

Ein igelfreundlicher Garten ist ein naturnaher Garten. Der Einsatz von Gift ist tabu, ebenso der Einsatz von Motorsensen unter Hecken. Denn Tiere, die sich dort tagsüber verstecken, können von den rotierenden Mähfäden schwer verletzt werden. Im naturnahen Garten findet der Igel Unterschlupf und Nahrung unter dichten Hecken und Gebüsch, in Altholzhaufen und Laubresten. Zur Nahrung der Igel gehören neben Insekten, Asseln, Würmern, Eiern von bodenbrütenden Vögeln und jungen Mäusen auch Nacktschnecken. Ein sicheres Quartier findet der Igel beispielsweise unter einem Asthaufen in einer windstillen, ruhigen und trockenen Ecke oder unter einer dichten Hecke. Zusätzlich gibt es im Fachhandel spezielle „Igelhäuser“ zu kaufen. Im Herbst lassen sich diese Sommerquartiere dann leicht mit einer dicken Laubpackung und einem Regenschutz zum Winterquartier aufmöbeln. Damit der Igel in den Garten findet und sich frei und gefahrlos in seinem Revier bewegen kann, ist ein barrierefreier Zugang nötig.

Draht- oder Gitterzäune sollten 5 – 10 Zentimeter über dem Boden enden und keinesfalls in den Boden eingegraben sein. Zaunlatten sollten einen Abstand von etwa 8 Zentimetern zueinander haben, damit Igel zwischen ihnen durchschlüpfen können. So bleiben Zäune für die possierlichen Tiere passierbar und wir Menschen können uns über Igel als Gäste im Garten freuen. Außerdem sollten Kellerschächte igeldicht abgedeckt werden, damit die Igel nicht hineinfallen. Schwimmbäder und Teiche sollten mit einer Hilfe zum Herausklettern beispielsweise in Form eines Brettes mit geringer Steigung versehen werden.

Darüber hinaus ist in der Regel keine Igelhilfe nötig. Denn der Igel ist ein Wildtier, das sehr gut alleine zurechtkommt. Einfacher als beim Schutz der Igel können Eltern ihren Kindern kaum spannende Naturerlebnisse bieten. Der Igel ist in Grünanlagen und Gärten recht häufig, kaum scheu und lässt sich leicht in der Dämmerung beobachten. Dabei gilt: Anschauen – Ja! Anfassen – Nein! Denn Igel zählen zu den besonders geschützten Tierarten. Gesunde Tiere dürfen keinesfalls mit nach Hause genommen werden. Verletzte Igel, verwaiste Igelsäuglinge, die Ohren und Augen verschlossen haben und die tagsüber nicht in ihrem Nest sind, bedürfen jedoch menschlicher Hilfe.

Tipps zum richtigen Umgang mit Igeln:
Der Igel sollte als Erstes vorsichtig auf Verletzungen untersucht werden. Wenn möglich sollte der Igel auch von Fliegeneiern und Maden, Flöhen und Zecken befreit werden. Fliegen und Zecken kann man mit Pinzetten entfernen und die Flöhe lassen sich mit einem speziellen Flohspray abtöten. Fachkundige Hilfe bieten auch viele Tierärzte.

Igel – ein Wildtier braucht die Stadt
Gut strukturierte, gemischte Wälder und Auen, strauchreiche Waldränder, Feldhecken und –gehölze, das sind die ursprünglichen Lebensräume unseres größten einheimischen Insektenfressers. Nicht zuletzt der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass auch dem Igel inzwischen auf dem Land die Nahrungsgrundlage fehlt. Durch die großflächige Rodung von Feldgehölzen wurde dem Igel ein wesentlicher Teil seines Lebensraumes beschnitten. Als Ersatzlebensraum hat der Igel die Stadt erobert. Hier gibt es Unterschlupf und Nahrung in einer Menge, mit der die verarmten und deckungslosen ursprünglichen Lebensräume nicht mithalten können. Mit der begonnenen Rückkehr zu natürlicheren Wäldern konnten sich rund um München zum Teil wieder sehr abwechslungsreiche Waldbilder entwickeln. Ob die Münchner Igel die Wälder wieder zurückerobern, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, dass Igel flächendeckend in München vorkommen, wie zwei Igel-Volkszählungen des BN von 1998 und 2010 ergeben haben.

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