Foto: Johannes Selmansberger

BUND Naturschutz appelliert: Auf Weidensträuße verzichten

Bei einem Spaziergang in der Natur leuchten jetzt noch an vielen Stellen die gelbsilbrig glänzenden Weidenkätzchen. Auch wenn es verlockend ist davon einen Strauß pflücken, ruft der BUND Naturschutz (BN) zu Zurückhaltung auf. Für Bienen und Schmetterlinge sind die Kätzchen eine wichtige Nahrungsquelle.

Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Weiden-Kätzchen haben am Grund jeder Einzelblüte Nektardrüsen. Für Wildbienen, Honigbienen, Hummeln, sowie eine Vielzahl von Schmetterlingsarten stellen frühblühende Weidenarten wie die Sal-Weide die erste wichtige Nahrung im Jahr dar. Im Gegenzug werden die Blüten der Sal-Weide durch die Insekten bestäubt.

„Insekten sind auf Weidenkätzchen als wichtige Nahrungsquelle im Frühjahr angewiesen. Auf einen Strauß aus Weidenkätzchen zu verzichten schützt Bienen und Schmetterlinge und ist ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt“ so Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BN in München. „Nehmen Sie lieber junge Seitentriebe von Laubbäumen, gemischt mit beispielsweise neuen Zweigen von Forsythiensträuchern. Die gelb blühende Forsythie ist für Insekten unattraktiv, da sie weder Pollen noch Nektar bildet“ so Hänsel weiter.

Über 40 Bienenarten nutzen Weiden als Nektar- und Pollenquelle. Darunter sind auch neun spezialisierte Sandbienenarten und eine Seidenbienenart, die ohne Weidenpollen gar nicht überleben können. Eine von ihnen ist die grauschwarze Weiden-Sandbiene, die beispielweise in der Fröttmaninger Haide und am Gleislager Neuaubing vorkommt. Die Wildbienen können auch bei relativ niedrigen Temperaturen fliegen und die Blüten bestäuben.

Auch für Honigbienen sind die ersten Futterquellen im Frühjahr überlebenswichtig. Die Völker haben während der Wintermonate eng zusammengedrängt in einer sogenannten Wintertraube im Bienenstock überlebt. Auch bei Frost halten die Bienen im Inneren der Traube eine Temperatur von über 20 °C aufrecht. Das verbraucht viel Energie, entsprechend ausgezehrt sind die Bienen jetzt.

Die ersten Schmetterlinge im Frühjahr sind auf die Blüten ebenfalls angewiesen: Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, C-Falter oder Tagpfauenauge haben den Winter als fertiger Schmetterling versteckt in Rindenritzen, Baumhöhlen oder Gartenschuppen verbracht und stärken sich jetzt am Nektar der frühblühenden Weiden. Die Triebe der Sal-Weide entlang von Waldrändern und Wegen dienen einer Vielzahl von Schmetterlingen auch als Eiablage. Mehr als einhundert Schmetterlingsarten bietet die Sal-Weide im Jahresverlauf Nahrung, entweder als Futterstrauch für die Raupen oder als Nektar-Tankstelle für die Schmetterlinge.

Balkon- und Gartenbesitzer können kurzfristig mit früh blühenden und insektenfreundlichen Pflanzen wie dem Lungenkraut zusätzliche Nahrung anbieten und den Insekten im Frühjahr helfen. Bei Neupflanzungen bieten sich neben den Weiden auch frühblühende Sträucher wie Kornelkirsche und Schlehe für bienenfreundliche Gärten an.

Die Broschüren „Bienen und Wespen in München“ und „Tagfalter in München“ des BN stellen die wichtigsten der im Raum München heimischen Arten dieser bemerkenswerten Tiere vor. Die Broschüren können kostenlos heruntergeladen werden unter: www.bn-muenchen.de/bn-muenchen/publikationen-archiv/ 

Umweltberatung des BUND Naturschutz mit freundlicher Unterstützung durch: Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt