2.6.2017 – Wespentipps vom BUND Naturschutz

Sommerzeit ist Wespenzeit: Seit es wieder wärmer geworden ist, häufen sich beim BUND Naturschutz (BN) die Anrufe zu Wespen. Viele Menschen fürchten sich vor den Tieren auf dem Balkon oder am Fenster. Doch das Bild vom gefährlichen Wespenvolk stimmt so pauschal nicht. Ein gemeinsames Auskommen ist möglich.

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Wespenarten wie die Mittlere Wespe, die Rote Wespe, Feld- und Wegwespen oder Erz-, Brack- und Schlupfwespen. Die größte einheimische Wespenart ist die Hornisse. Viele Wespenarten sind in ihrem Bestand bedroht und nahezu alle Arten sind gesetzlich besonders geschützt. Einzige Ausnahmen hiervon sind die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Nur diese beiden werden den Menschen oft lästig, kreisen um den Kaffeetisch oder sammeln sich in Bäckereien in der Kuchenauslage.

„In den seltensten Fällen geht von einem Wespennest Gefahr für den Menschen aus. Zudem spielen Wespen eine wichtige Rolle im Haushalt der Natur: Sie fliegen auch bei kühlerem Wetter und bestäuben bereits im Frühjahr Obstbäume, Sträucher und Stauden. Außerdem verfüttern sie Unmengen anderer Insekten wie Stechmücken und Fliegen für ihre Brut und sind deshalb für uns äußerst nützlich“, erläutert Martin Hänsel, stellvertretender  Geschäftsführer des BN in München. „Trotz ihrer Größe sind Hornissen keineswegs besonders gefährlich, ganz im Gegenteil: Die großen Brummer sind eher gemütliche Zeitgenossen, die sich, wenn man sie nicht unmittelbar bedrängt, übrigens besonders gut beobachten lassen.“

Nähert sich eine Wespe lautet die wichtigste Regel: Ruhe bewahren. Vermeiden Sie hektische Bewegungen, lassen Sie die Tiere in Ruhe und halten Sie Abstand. Wespen sind außerhalb des Nestbereichs nicht aggressiv, sofern sie sich nicht bedroht fühlen. Gefahr, gestochen zu werden, besteht nur im Umkreis von zwei bis drei Metern um das Nest, wenn die Tiere durch Erschütterung, Anhauchen oder Versperren der Flugbahn gestört werden. Bei Essen im Freien hilft es oft bereits, Getränke und Wurstteller abzudecken und Marmeladengläser geschlossen zu halten. Auch ein kleiner Teller mit etwas Wurst oder Süßem abseits des Tisches kann als Ersatzfütterung die Tiere vom Esstisch fernhalten. Siedelt sich ein Wespenvolk auf Terrasse, Balkon oder im Garten an, ist es wichtig zu wissen, um welche Art es sich handelt.

„Am einfachsten gelingt die Unterscheidung der Wespen über ihre Nester: Alle Wespenarten, die in frei hängenden Nestern in Büschen, im Geäst oder auf dem Balkon leben, werden für den Menschen nicht störend. Sie sind außerdem gesetzlich besonders geschützt. Ihre Nester dürfen nicht beseitigt werden!“ so Hänsel weiter.

Wespenarten mit frei hängenden Nestern bilden eher kleine Völker mit höchstens einigen hundert Arbeiterinnen. Sie wachsen im Lauf des Sommers heran, fliegen keine menschlichen Nahrungsmittel an, erreichen im August ihre maximale Größe und beginnen ab Mitte August/September wieder abzusterben.

Die beiden lästigen Arten „Gemeine Wespe“ und „Deutsche Wespe“ legen ihre Nester hingegen meist in dunklen Hohlräumen wie Rollladenkästen an. Sie können Völker mit bis zu mehreren tausend Tieren bilden und auch länger im Jahr aktiv sein: Erst im Oktober stirbt das Volk ab. Aber Achtung: Auch besonders geschützte Arten, unter ihnen die Hornisse und die Rote Wespe, zählen zu den Dunkelnest-Bewohnern! Sie dürfen nicht ohne behördliche Genehmigung angetastet werden. Doch auch hier helfen oft bereits einfache Maßnahmen.

„Bereits ein mit Klettband befestigtes Fliegengitter vor Türen oder Fenstern hilft,  die Zeit bis zum Absterben des Volkes zu überbrücken. Im nächsten Jahr wird das Nest nicht mehr bezogen“ rät Hänsel.

Übrigens:
Wespen stechen im Vergleich zu Honigbienen mit sehr wenig Gift (2-10µg, Bienen: 50-100µg). Für gesunde Menschen sind Wespenstiche zwar lästig, aber nicht gefährlich. Ausnahmen sind in der Regel nur starke allergische Reaktionen oder Stiche im Bereich der Mundhöhle oder des Rachens.

Sofortmaßnahmen bei einem Stich:
Sollte man trotz aller Vorsicht gestochen werden, hilft es, die Stiche zu kühlen, beispielsweise mit Eiswürfeln oder kühlen Getränken. Auch kühles Speiseeis hilft. Allergiker sollten in der Sommerzeit ihre Notfallmedikamente dabei haben. Bei Atemproblemen die Personen aufrecht hinsetzen, bei Kreislaufproblemen oder schockartigen Reaktionen am besten mit hochgelegten Beinen hinlegen. Im Zweifelsfall und bei heftigen allergischen Reaktionen einen Arzt / Notarzt kontaktieren.

 
Mehr Informationen zum Thema auch am BN Service-Telefon:
Tel. 089 / 51 56 76 – 0
Mo – Fr: 9.00 – 12.30 Uhr, Di & Do zusätzlich: 13.30 – 17.00 Uhr

Der BUND Naturschutz hat zu den Bienen und Wespen in München eine kostenlose Broschüre herausgegeben, Download unter www.bn-muenchen.de oder Abholung in der BN-Geschäftsstelle, Pettenkoferstr. 10a.

Ansprechpartner für Rückfragen:
BUND Naturschutz, Kreisgruppe München
Martin Hänsel, stellv. Geschäftsführer, Tel. 089 / 51 56 76 0