Foto: Johannes Selmansberger

BUND Naturschutz: Vielfalt schaffen für Jedermann

Da die Menschen in die wieder geöffneten Gärtnereien und Gartencenter strömen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zur Bienenheldin oder zum Bienenheld zu werden. Der BUND Naturschutz (BN) zeigt, wie jedermann im Sinne des erfolgreichen Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ mehr Artenschutz und Artenvielfalt schaffen kann.

„Mit drei einfachen Schritten wird jeder von uns zur Bienenheldin oder zum Bienenheld. Erstens: Kaufen Sie bienenfreundliche Pflanzen oder Samen. Zweitens: Verwenden Sie nur torffreie Erde. Drittens: Verzichten Sie auf Gift im Garten und auf dem Balkon“ rät Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BN in München.

1. Bienenfreundliche Pflanzen und Samen

Gefüllte Blüten sehen nur für den Menschen gut aus. Für Insekten sind sie völlig uninteressant, da sie steril sind und deshalb keine Nahrung bieten. Nur in ungefüllten Blüten mit Staubgefäßen finden Insekten Pollen und Nektar. Richtige Bienenheldinnen und Helden greifen zu einheimischen Wildpflanzen. Diese sind echte „Vollsortimenter“ für Biene & Co. Nur auf Ihnen finden unsere Insekten alles, was sie brauchen. Nicht nur Nektar und Pollen werden genutzt. Schmetterlingsraupen ernähren sich beispielsweise von den Blättern, Wildbienenarten rasieren Pflanzenhärchen ab und kleiden ihre Nester damit aus. Etwa 30 Prozent der knapp 590 Wildbienenarten in Deutschland sind vom Vorkommen ganz bestimmter Wildpflanzen abhängig, beispielsweise die Resedenmaskenbiene: Ohne Resede keine Resedenmaskenbiene!

Spezialtipp für Balkon und Fensterbrett:

Küchenkräuter wie Schnittlauch, Thymian, Salbei, Basilikum, Kapuzinerkresse oder Löwenmäulchen sind auf Balkon und Fensterbrett nicht nur optisch attraktiv, sondern schmecken Mensch und Insekt.

Spezialtipp Obst und Gemüse:
Wer eigenes Gemüse und Obst anbauen kann, sollte zu alten Kultursorten greifen. Diese sind schmackhaft und oft weniger krankheitsanfällig als moderne Hochleistungssorten aus dem Supermarkt. Gerade alte Apfelsorten sind für Allergiker wegen des höheren Gehalts an Polyphenolen oft weniger kritisch.

Der BN empfiehlt außerdem, möglichst bio-zertifiziertes Saat- und Pflanzgut zu verwenden. Dieses ist frei von Gentechnik, außerdem sind die Arten in der Regel sehr robust, da sie sich ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bewähren mussten. Eine Liste von Betrieben, die Biosaatgut bzw. –pflänzchen vertreiben, bietet der BN im Internet an: www.bn-muenchen.de/themen/natur-garten/garten/bio-pflanzen

Wildblumensaatgut sowie autochthone Wildsträucher für Bienen kann direkt über die Kreisgruppe München und unsere Ortsgruppe München West bezogen werden.

2. Torffreie Erde

Handelsübliche Gartenerden bestehen zu 90 – 100 % aus Torf. Doch der industrielle Torfabbau zerstört die Moore. Diese wertvollen Biotope sind in Jahrtausenden herangewachsen. Sie bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und erfüllen eine wichtige Funktion beim Schutz des Klimas, denn Moore binden sehr viel Kohlenstoff, der als CO2 sonst unser Klima anheizt. Auch tragen sie zum Hochwasserschutz bei, indem sie große Wassermengen wie ein Schwamm speichern und langsam abgeben können.

„Achten Sie beim Kauf unbedingt auf die Bezeichnung „100% torffrei“. Nur wo „torffrei“ draufsteht, ist auch kein Torf drin! Selbst „torfreduzierte“ Erden können noch bis zu 45 Prozent Torf enthalten. Vom Torfabbau und der damit verbundenen Trockenlegung erholen sich die Moore in der Regel nicht – denn selbst ein gesundes Moor wächst in einem Jahr nur etwa einen Millimeter nach. Wer torffreie Erde verwendet, schont die Moore und das Klima“ so Hänsel weiter.

Da der Aufdruck „Bio“ bei Erden nicht geschützt ist, enthalten auch „Bio-Erden“ oft hohe Torfanteile. Inzwischen bietet der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) eine torffreie Gartenerde an, die für den ökologischen Landbau zugelassen ist.

3. Kein Gift

Ein Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden sollte im eigenen Garten ebenso wie auf dem Balkon oder Fensterbrett selbstverständlich sein. Trotzdem verwenden viele Privatgärtner die Gifte, obwohl sie große Schäden in der Natur anrichten und oftmals auch für den Menschen nicht ungefährlich sind.

„Wer rund um Haus und Balkon auf Pestizide verzichtet, leistet einen aktiven Beitrag zum Naturschutz und schützt auch die eigene Gesundheit. Viele vermeintliche „Unkräuter“ sind wichtige Futterpflanzen für heimische Insekten und Schmetterlinge. Ohne Giftspritze hat die Vielfalt der Natur wieder eine Chance“ erläutert Hänsel.


Umweltberatung des BUND Naturschutz mit freundlicher Unterstützung durch: Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt